25. Mai 2017

Mediziner bevorzugen große Städte und Arbeit im Team
  
   Informierten Sich über die Zukunft der ärztlichen Versorgung in Schortens: MdB Hans-Werner  
   Kammer, Erwin Braun (Kassenärtzliche Vereinigung Niedersachsen) CDU Vorsitzende Melanie
   Sudholz und Fraktionsvorsitzender Axel Homfeldt. Foto: CDU Schortens/Carsten Hoffmann.

Die ärztliche Versorgung in Schortens und Umgebung ist zurzeit noch gut. Zumindest statistisch. Doch damit endeten auch schon die guten Nachrichten, die Erwin Braun von der Kassenärztlichen Vereinigung aus Wilhelmshaven für die mehr als 30 Besucher der „Miteinander reden"-Veranstaltung der CDU in Schortens hatte. Denn einige Trends zeigten schon jetzt, dass es in den kommenden Jahren eher nicht besser werde.

Braun ist zuständig für den Bereich der vertragsärztlichen Versorgung im Bereich Wilhelmshaven/Friesland. In der aktuellen Statistik sei dieser Bereich mit Allgemeinmedizinern sehr gut bis überversorgt. Gerade der Bereich Jever, Schortens, Wangerland und Wangerooge liege über dem Bereich der Vollversorgung. Bei Fachärzten stelle sich die Situation schon anders dar. Als Beispiel nannte Braun Kinderärzte, von denen es durchaus noch mehr geben könnte. Und das hat Gründe.
Das Selbstverständnis der Ärzte habe sich verändert. Er führe regelmäßig Gespräche, um Ärzte in die Region zu locken. Doch die Selbständigkeit als Arzt in eigener Praxis werde für junge Mediziner immer unattraktiver. Statt 50 oder mehr Stunden in der Woche auf eigenes finanzielles Risiko zu arbeiten, stehe die Anstellung als Arzt in einem Team immer höher in der Gunst. Ebenfalls nicht zu unterschätzen sei das Umfeld, in dem die Ärzte leben und arbeiten wollen. Dabei stehen neben Kinderbetreuung, Einzelhandelsangebot und verkehrliche Anbindung auch die Arbeitsmöglichkeiten für etwaige Lebenspartner zur Diskussion.
Braun sieht ein Dilemma. Zwar nehme die Bevölkerung ab, doch der Bedarf an medizinischer Versorgung steige. Die Berechnung für die ärztliche Versorgung werde jedoch noch an Köpfen der Ärzte und der Bevölkerung bemessen und nicht an den tatsächlichen Versorgungszeiten. Und das spürten die Menschen in der Region schon jetzt.
Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern sei es für die Region wichtig, nicht mehr in Kirchtürmen zu denken. Eine gemeinsame Strategie der Kommunen und die Bildung von Schwerpunkten und Zusammenschlüssen sei für die zukünftige Entwicklung entscheidend. Ein ganz wesentlicher Faktor sei dabei auch der öffentliche Personennahverkehr. „Ein Praxisstandort, der nicht gut erreichbar ist, der wird es in Zukunft noch schwerer haben als jetzt schon", erklärte Braun.
Diesen Hinweis nahm CDU Vorsitzende Melanie Sudholz dankbar auf. Schließlich werde das ÖPNV Konzept des Landkreises derzeit überarbeitet. Sie werde diesen Aspekt in die Diskussion einbringen.
© Homfeldt - Kreatives Marketing